Tendinose der Achillessehne (Achillodynie)

Unter einer Tendinose der Achillessehne wird ein belastungsabhängiger Schmerz verstanden, der durch Verschleißerscheinungen der Sehne entsteht. Die häufigste Ursache für diese Beschwerden ist eine mechanische Überbelastung. So beklagen viele Marathonläufer chronische Achillessehnenbeschwerden, ebenso Patienten, die in Berufen, bei denen sie lange Zeit stehen müssen.

Einige anlagebedingte Verformungen der Fußstellungen, die mit einer Fehlstellung der Ferse und einer veränderten Zugrichtung der Achillessehne einhergehen, können ebenfalls als Ursache für Achillessehnenbeschwerden angesehen werden. Die Plattfußfehlstellung, bei der die Ferse nach innen einknickt, und die Instabilität des oberen Sprunggelenkes, bei der die Ferse nach außen abweicht und der Fußaußenrand dementsprechend häufiger belastet wird, sind die häufigsten Fußfehlstellungen, die in diesem Zusammenhang auftreten.

Die Tendinose entsteht typischerweise im mittleren Drittel der Sehne, da in diesem Bereich die Durchblutung am schlechtesten ist. Dauerhaft führt die Überbelastung der Achillessehne zu immer wiederkehrenden Mikroverletzungen. Durch nur unzureichende Reparationsvorgänge kommt es zu Narbenbildungen in der Sehne. Es entsteht eine verdickte Achillessehne, die nur vermindert belastbar ist und zu Entzündungen neigt.

Die Untersuchung

Zunächst berichten die Patienten über einen morgendlichen Anlaufschmerz. Im Laufe des Tages kommt es zwar wieder zur Besserung der Beschwerden, beim Sport treten die Beschwerden zunächst nur während des Aufwärmens auf. Mit zunehmendem Verschleiß der Sehne entsteht jedoch ein Dauerschmerz. Sportliche Aktivitäten sind häufig nicht mehr möglich.

Bereits bei der Beobachtung des Fußes im Stand zeigt sich die typische spindelförmige Verdickung der Achillessehne. Der Zangengriff, bei der die Achillessehne zusammengedrückt wird, ist sehr schmerzhaft.

Es ist sinnvoll den ganzen Fuß zu untersuchen, um mögliche Ursachen für die  Entstehung der Achillessehnenbeschwerden nicht zu übersehen. Hierbei sollte eine Plattfußdeformität mit Einknicken der Ferse nach innen und eine Instabilität des oberen Sprunggelenkes nicht übersehen werden.

Ein Röntgenbild des oberen Sprunggelenkes kann einen dorsalen Fersensporn ausschließen. Die Durchführung eines MRT ist sinnvoll, um Einrisse der Sehne nicht zu übersehen.

Konservative Therapie

In ca. 80 % der Fälle kann die Tendinose der Achillessehne konservativ, also ohne Operation behandelt werden. Sinnvolle Behandlungsmethoden sind physiotherapeutische Einheiten, die exzentrisches Dehnungstraining (bei denen der Muskel eine Bewegung abbremsen muss) beinhalten, die Stoßwellentherapie, eine Infiltrationstherapie, bei der mit PRP (Eigenblut) oder Hyaluronsäure gearbeitet wird, die Röntgenreizbestrahlung oder eine Versorgung mit Einlagen.

Ich empfehle ein multimodales Therapiekonzept. Bei dem sollte das exzentrische Dehnungstraining nach Erläuterung durch einen erfahrenen Physiotherapeuten selbstständig zweimal täglich über drei Monate durchgeführt werden. Ergänzend kann eine Stoßwellentherapie, eine Röntgenreizbestrahlung oder die Infiltrationstherapie mit PRP oder Hyaluronsäure die Beschwerden lindern. Liegt eine Fußfehlstellung mit Fehlpositionierung der Ferse vor, ist eine Einlagenversorgung sinnvoll.

Bei der konservativen Therapie wird eine Therapiedauer von wenigstens zwölf Wochen empfohlen.

Operative Therapie

Bei 20 % der Patienten führt die konservative Therapie nicht zur Besserung der Beschwerden. In diesen Fällen ist eine operative Entfernung der degenerierten Sehnenanteile sinnvoll.

Die hochgradig entzündlich veränderte und verdickte Sehnenhaut (Peritendineum) hat einen großen Anteil an der Schmerzentstehung. So wird diese im ersten Teil der Operaton im Sinne einer Dekompression der Achillessehne entfernt. Nach Längsspaltung der Sehne können die degenerierten Sehnenanteile entfernt werden. Anschließend wird die Sehne mit einer speziellen zweireihigen Nahttechnik rekonstruiert.

Postoperative Nachbehandlung

Nach der Operation wird der Fuß für zwei Wochen in einer US-Schale ruhiggestellt und darf nicht belastet werden. Ab der dritten Woche nach der Operation darf der Fuß in normalem Schuhwerk voll belastet werden. Hierbei ist das Tragen eines Silikonfersenpolsters für vier Wochen sinnvoll.

Ab der siebten Woche nach der Operation kann mit der physiotherapeutischen Behandlung mit Dehnung der Achillessehne begonnen werden.