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Die Hallux-valgus-Deformität / Ballenzeh

Die Hallux-valgus-Deformität, auch Ballenzeh genannt, zählt zu den häufigsten Fehlstellungen des Fußes. Etwa 30 Prozent der schuhtragenden Bevölkerung leidet daran, Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Typischerweise kommt es durch Wanderung des ersten Mittelfußknochens nach innen zur Ausbildung einer Spreizfußdeformität mit Zunahme der Vorfußbreite. Im weiteren Verlauf führt die veränderte Zugrichtung der Muskulatur zu einer Abweichung der Großzehe nach außen. Dann ist das schmerzfreie Tragen von engem Schuhwerk nicht mehr möglich. Häufige Begleiterscheinungen sind Fehlstellungen der Kleinzehen.

Untersuchung und Therapie

1. Das Schuhwerk

Das Schuhwerk hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Entstehung des Hallux valgus. Vorne spitz zulaufende modische Schuhe drängen die Großzehe nach außen ab. Hohe Absätze wirken wie eine schiefe Ebene. Bei jedem Schritt rutscht der Fuß in den zu engen Vorfußbereich hinein. Zudem führt das Tragen enger Schuhe zu einer Verkümmerung der Fußmuskulatur. Die dadurch entstehenden Ungleichgewichte der Muskulatur verstärken die Fehlstellung.

2. Die biologische Vererbung

Rund zwei Drittel der Patienten mit einer Ballenzehe (Hallux valgus) berichten über Familienmitglieder mit ähnlichen Fußbeschwerden. Eine vererbliche Komponente

ist in wissenschaftlichen Untersuchungen belegt. Hierbei wird eine Bindegewebsschwäche familiär weitergegeben, die dann im weiteren Verlauf die Entstehung des Hallux valgus begünstigt.

3. Die Position der Ferse

Die Position und Stabilität der Ferse hat eine wichtige Bedeutung in der Entwicklung von Fehlstellungen der Großzehe. Häufig ist ein bestehender Plattfuß der Grund für die Entstehung des Hallux valgus. Unter Belastung knickt dann die Ferse nach innen weg und das Fußlängsgewölbe flacht ab. Hierbei kommt es zur Überlastung und Auslockerung (Instabilität) des ersten Mittelfußgelenkes. Die Überbeweglichkeit dieses Gelenkes führt letztlich durch Verschiebung des ersten Mittelfußknochens nach innen zur Ausbildung des Hallux valg

Die Untersuchung des Fußes

Bei der Untersuchung des Fußes beobachtet der Fußchirurg zunächst das Gangbild und die Fußstellung unter Belastung im Stand. Hier fällt bereits die typische Fehlstellung auf. Der Vorfuß ist verbreitert und die Großzehe weicht nach außen ab. Bei der Begutachtung der Fußachsen achtet der Orthopäde auf eine mögliche Plattfußdeformität mit Wegknicken der Ferse nach innen. Fehlstellungen dieser Art können die Entstehung des Hallux valgus begünstigen. Das Abtasten des Fußes zeigt den typischen Druckschmerz über dem geröteten Ballen der Großzehe. Hier kann eine Schleimbeutelentzündung starke Schmerzen verursachen. Durch die veränderte Vorfußbelastung können Überleitungsschmerzen entstehen. Hierbei kommt es zu einer schmerzhaften Schwielenbildung der Fußsohle in der Mitte des Vorfußes.

Bei der Funktionsprüfung wird zunächst die Beweglichkeit der Großzehengelenke beurteilt. Eine verminderte Beweglichkeit der Großzehe insbesondere nach oben (Dorsalextension) zeigt sich häufig bei bestehendem Gelenkverschleiß. Schließlich überprüft der Fußchirurg die Stabilität des 1. Mittelfußgelenkes. Nicht selten ist die Entstehung des Hallux valgus durch eine Überbeweglichkeit (Instabilität) in diesem Gelenk bedingt. In diesem Zusammenhang entstehen häufig Überleitungsschmerzen (Transfermetatarsalgie). Der 1. Strahl (Großzehe und 1. Mittelfußknochen) kann bei Belastung das Körpergewicht nicht mehr abfangen, und der Fuß knickt ein. Die Folge ist eine Lastumverteilung auf die Mitte des Vorfußes mit Ausbildung einer schmerzhaften Hornhautbildung der Fußsohle über dem 2. und 3. Mittelfußköpfchen. Die Abweichung der Großzehe nach außen führt bei leichten und schweren Fehlstellungen zur Verdrängung der 2. Zehe nach oben. Die Entstehung einer Krallenzehe ist häufig die Folge. Nicht selten entstehen schmerzhafte Schwielen auf den Zehen. Ergänzend zur körperlichen Untersuchung wird ein Röntgenbild des ganzen Fußes im Stand angefertigt. Durch spezielle Winkelmessungen kann der Schweregrad des Hallux valgus bestimmt werden. Verschleißerscheinungen des Großzehengrundgelenk werden sichtbar und können bei der Erstellung eines individuellen Therapiekonzeptes berücksichtigt werden.

Die Therapie der Hallux-valgus-Deformität

Ziel ist die Korrektur der Fehlstellung mit Wiederherstellung einer normalen Belastung des Vorfußes. Hierzu sind operative Therapieansätze erforderlich. Die Auswahl der Operationsmethode richtet sich nach dem Ausprägungsgrad. Zusätzlich vorhandene Deformitäten der Kleinzehen erweitern den Eingriff. Besteht zusätzlich eine Arthrose des Großzehengrundgelenkes sollten andere Therapieverfahren angewendet werden.

Chevron-Osteotomie

Bei geringgradiger Deformität wird mittels einer v-förmigen Osteotomie (Knochenschnitt) der 1. Mittelfußknochen durchtrennt und das Mittelfußköpfchen nach außen verschoben. Die Fixierung gelingt durch eine resorbierbare Schraube.

Die Lapidusarthrodese: Bei höhergradigen Fehlstellungen liegt häufig eine Instabilität des 1. Fußwurzelgelenkes vor. In diesen Fällen wird die Fehlstellung durch eine korrigierende Fußwurzelversteifung erreicht. Hierbei wird des 1. Mittelfußgelenk präpariert, der Gelenkknorpel entfernt und der Knochen angefrischt. Anschließend kann das Gelenk in korrigierter Stellung versteift werden. Die Fixierung erfolgt durch eine Platte und Schrauben.

Die Chevronosteotomie zur Korrektur des Hallux valgus

Der Hallux valgus ist die häufigste Deformität des Vorfußes. In Abhängigkeit vom Schweregrad unterscheidet man milde, moderate und schwere Fehlstellungen. Typischerweise kommt es zur Schiefstellung der Großzehe mit Abweichung des 1. Mittelfußknochens nach innen. Die Zunahme der Vorfußbreite führt zur Ausbildung des schmerzhaften Großzehenballens.

OP-Technik:

Bei milden Fehlstellungen kann die Deformität durch eine Chevronosteotomie korrigiert werden. Nach Hautschnitt müssen zunächst die verkürzten Weichteile (Kapsel und Bänder) durchtrennt werden damit die Großzehe in ihre normale Position gebracht werden kann. Nach Entfernung des knöchernen Vorsprunges des 1. Mittelfußknochens (Pseudoexostose) erfolgt die Korrektur der Fehlstellung. Hierbei wird das 1. Mittelfußköpfchen durch einen v-förmigen Knochenschnitt durchtrennt und nach außen versetzt. In korrigierter Stellung wird der Knochen mit einer resorbierbaren Schraube fixiert.

Schmerztherapie:

Während der Operation wird ein Schmerzmittel in den Fuß gespritzt. Somit haben Sie nach der Operation kaum Schmerzen. Im weiteren Verlauf ist die Einnahme milder Schmerzmittel ausreichend.  

Nachbehandlung:

  • Der Krankenhausaufenthalt beträgt 2 Tage. Bereits am 1. Tag nach der Operation kann der Fuß in einem Spezialschuh voll belastet werden. Hierbei sind Unterarmgehstützen nicht erforderlich. Nach erfolgter Mobilisation und Erreichen trockener Wundverhältnisse erfolgt die Entlassung üblicherweise am 2. Tag nach der Operation. 6 Wochen nach der Operation wird ein Röntgenbild angefertigt. Ist der Knochen verheilt kann der Fuß in normalem Schuhwerk voll belastet werden

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