Das künstliche Hüftgelenk

Informationen rund um die Gelenkersatz-Operation

Das Hüftgelenk besteht aus der Hüftpfanne im Beckenknochen und dem Hüftkopf, dem oberen Ende des Oberschenkelknochens. Beide Teile sind mit einer knorpeligen Gleitschicht überzogen. Eine Gelenkkapsel mit innenliegender Schleimhaut dichtet die gelenkige Verbindung ab. Sie produziert eine Flüssigkeit, die einerseits den Knorpel ernährt und andererseits für eine reibungsfreie Bewegung sorgt. Gleich einem Stoßdämpfer wird auf diese Weise die Kraft, die bei jedem Schritt und Sprung auftritt, abgefangen. Im Laufe eines Lebens wirken so unglaubliche Belastungen auf das Gelenk ein. Bänder zwischen den Knochen geben dem Gelenk die notwendige Stabilität; durch Muskeln und Sehnen wird es zusätzlich stabilisiert und bewegt.

Heute ist der Ersatz eines geschädigten Hüftgelenkes ein sehr häufig und erfolgreich durchgeführter Eingriff, der die Lebensqualität der Betroffenen wieder deutlich steigert. In Deutschland werden seit 2010 ca. 210 000 Hüft-Endoprothesen pro Jahr implantiert (Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 2/2011). Standzeiten von 20 Jahren und mehr sind der derzeitige qualitative Anspruch.

Warum eine Hüft-Prothese?

Die Hüftprothese wird am häufigsten bei fortgeschrittener Arthrose mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung des Hüftgelenks (Coxarthrose) notwendig.
(Hüftarthrose = Coxarthrose, lat. Coxa = Hüfte)

Diese Hüftarthrose ist charakterisiert durch den schmerzhaften Verschleiß des Gelenkknorpels und Veränderungen der Knochen. Hüftarthrose führt zu einer schmerzhaften Einsteifung des Hüftgelenks. Die Beweglichkeit des Patienten im Alltag und das Gangbild werden durch eine Hüftarthrose zunehmend beeinträchtigt. Außerdem können unfallbedingte Schäden (posttraumatisch), Knochendurchblutungsstörungen (Hüftkopfnekrose) oder erblich/anlagebedingte Veränderungen (Hüftdysplasie, Coxa vara oder valga) zum teilweise frühzeitigen Verschleiß des Gelenkes führen.

Das oberste Ziel unserer Arbeit ist zunächst der Erhalt des eigenen Gelenkes. Ist der Knorpelschaden und der damit einhergehende Schmerz noch nicht allzu schwerwiegend und noch nicht quälend, können verschiedene konservative Maßnahmen (Krankengymnastik, Akkupunktur, Medikamente, Injektionen) eingesetzt werden. Werden die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu intensiv und nimmt die Beweglichkeit des Gelenkes zu weit ab, kann die zerstörte Gelenkfläche durch eine Prothese ersetzt werden.

Durch eine Hüftprothese soll die Beweglichkeit, und in einem gewissen Ausmaß die Sportfähigkeit, zuverlässig wieder hergestellt werden.

Durch spezielle weichteilschonende Operationstechniken, die wir routinemäßig anwenden (minimal-invasive Techniken), werden die Muskeln am Oberschenkel bei uns nicht abgetrennt oder eingekerbt, sondern nur stumpf zwischen zwei benachbarten Muskeln auseinandergeschoben, ohne die Muskel zu verletzen oder dauerhaft zu schädigen. Der Weg zum Gelenk erfolgt durch diese natürliche Muskellücke. Der Hautschnitt kann je nach körperlicher Beschaffenheit des Patienten sehr klein gehalten werden. Hierdurch sind weniger Schmerzen und eine schnellere Mobilisation und eine raschere Zunahme der Beweglichkeit möglich.

Mit Hilfe von Kurzschaftprothesen kann eine knochensparende Prothesenversorgung durchgeführt werden. Dabei wird der Oberschenkelknochen und Teile des Oberschenkelhalses weitgehend erhalten. Für den möglichen Fall einer Wechseloperation steht auf diese Weise mehr Knochensubstanz des Oberschenkelknochens zur Verfügung. Das erlaubt auch bei der Revision dieser Hüftprothesen durch eine normale Geradschaftprothese wiederum eine sehr stabile und lange haltbare Versorgung. Die Versorgung mit einer Hüftprothese wird für jeden Patienten individuell geplant, nur so ist es möglich, die richtige Prothese für die Knochenbeschaffenheit, Knochenform, Weichteilsituation des jeweiligen Patienten zu wählen.

Die minimal-invasive Operationstechnik und die Vielfalt an Prothesentypen erfordern einen hohen Spezialisierungsgrad des Operateurs. Die Hauptoperateure im Endoprothetikzentrum der Fachklinik 360° sind erfahrene Prothesenoperateure und  waren teilweise langjährig in internationalen Referenzzentren für minimal-invasive Operationstechniken tätig. Dort wurden international Fachärzte in dieser besonders schonenden Technik unterwiesen. Als Patient profitieren Sie von dieser großen Erfahrung.

Übungen und Hilfen für das neue Hüftgelenk

Stationäre postoperative Therapie - Hüftgelenk-Übungen für zuhause

•  Atemtherapie
•  Kühlung
•  Krankengymnastik nach Entfernung der Drainage
•  Erste Mobilisation (Flexion/Extension/Abduktion)
•  Gangschulung mit Gehgestell
•  Belastung je nach Prothesenart
•  Gehstrecke zurücklegen
•  Beckenübungen
•  Kräftigung
•  Erläuterung der Luxationswege/Verhaltensregeln
•  Erarbeitung Seitlage
•  Treppen steigen
•  Bewegungsbad
•  Bei Bedarf Hilfsmittelversorgung (z.B. Greifzange, Strumpfanzieher, Toilettensitzerhöhung)

(Alle Übungen: 2 x täglich je 3 x 10 Wiederholungen)

Abspreizen des Beins
Stehen Sie aufrecht und stützen Sie sich seitlich ab. Spreizen Sie nun das Bein der operierten Seite vom Körper weg und führen Sie es wieder zurück zur Mittellinie. Das Knie bleibt gestreckt, die Zehen sind nach außen gerichtet.


Das Knie beugen
Sie stehen auf dem gesunden Bein und führen das operierte Bein leicht gebeugt nach hinten und wieder zurück zur Körpermitte.


Aus der Hüfte beugen
Heben Sie das Knie der operierten Seite leicht an, Richtung Bauch – nicht höher als die Hüfte, dann wieder zum Standbein zurückführen. Das Knie zeigt dabei nach vorne; der Unterschenkel bleibt senkrecht zum Boden. Rücken und Schultern bleiben gerade und sind nicht nach vorn gebeugt.

Oberschenkel nach außen drücken
Sitzen Sie aufrecht auf dem Stuhl. Ihre Beine stehen leicht gespreizt, die Hände fassen außen an die Oberschenkel. Drücken Sie nun das operierte Bein mit leichtem Druck nach außen – ohne es nach außen zu bewegen – und halten Sie gleichzeitig mit Ihrer Hand dagegen. Wechseln Sie nach jeder Übung die Seite. Der Oberkörper muss aufrecht bleiben.

Das Bein abspreizen
Diese Übung bitte erst anwenden, wenn Sie das Abspreizen des operierten Beins beim Aufrechtstehen problemlos beherrschen. Legen Sie sich auf die nicht operierte Seite bequem in die Seitenlage auf den Boden. Der untere Arm und das untere Bein sind angewinkelt. Der Kopf liegt locker auf dem Arm. Legen Sie ein Kissen zwischen die Beine, damit Sie diese Übung aus ebener Lage starten können. Heben Sie nun das operierte Bein an, halten es fünf Sekunden und senken es wieder ab. Die Zehenspitzen gerade nach vorne halten, nicht nach außen drehen.