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Endoprothetik - Informationen rund um die Gelenkersatz-Operation

Künstliche Gelenke für Hüfte und Knie in unserem Endoprothetik-Zentrum

Bei Gelenkverschleiß oder nach Unfällen kann ein künstlicher Gelenkersatz, die Fachleute sagen: Endoprothese, erforderlich werden, um die möglichst schmerzfreie Beweglichkeit und Mobilität im Alltag wiederherzustellen. Die Zahlen sprechen für sich und eine gelebte tägliche Praxis: Jährlich werden in Deutschland mehr als 400.000 künstliche Gelenke implantiert. Für uns, als Fachklinik und Ärzte, ist das Routine – für Sie, als Patient, nicht. Deshalb informieren wir Sie hier gern über die Möglichkeiten einer Gelenkersatzoperation am Hüft- und Kniegelenk.

Individuelle Beratung
In unserer Endoprothetik-Sprechstunde beraten wir Sie, ob der künstliche Gelenkersatz für Sie und Ihre persönliche Situation die richtige Lösung ist. Bei der Entscheidung für eine Operation und die geeignete Gelenkprothese ziehen wir je nach Bedarf die entsprechenden Experten aus unserem interdisziplinären Netzwerk hinzu. Auch bei möglichen Begleiterkrankungen stehen im medizinischen, im pflegerischen und im physiotherapeutischen Bereich die passenden Spezialisten für Ihre optimale Behandlung zu Ihrer Verfügung.

Das Team der Fachklinik 360° ist bei allen Fragen persönlich für Sie da. Sprechen Sie uns an!

Das künstliche Hüftgelenk

In Deutschland werden jährlich ca. 200.000 künstliche Hüft- und Kniegelenke eingesetzt. Meist handelt es sich um einen Eingriff aufgrund eines primären Gelenkverschleißes (Arthrose). Aber auch hüftgelenksnahe Brüche oder Gelenkverschleiß nach früheren Unfällen, die so genannte posttraumatische Arthrose, können der Grund sein. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen einem Teilersatz des Gelenkes (Hemiprothese) und einem kompletten Gelenkersatz (Totalendoprothese) – in diesem Falle werden beide Anteile des Gelenkes ersetzt.

Unser Ziel ist immer, dass Sie sich möglichst schmerzfrei bewegen können: Um das zu erreichen, ersetzt die Gelenkprothese die natürlichen Strukturen und Funktionen des Körpers. Ein künstliches Hüftgelenk setzt sich genauso wie das natürliche Gelenk aus Gelenkpfanne, Gelenkkopf und Gelenkschaft zusammen. Der Gelenkersatz bleibt dauerhaft im Körper. In der Regel besteht das künstliche Gelenk aus einer Titanoberfläche und als Gleitpaarung aus einem Keramikkopf und einem Pfanneneinsatz aus modernstem hochabriebfestem Kunststoff  oder Keramik. Hochmoderne Implantate haben in der Regel eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren.

Welche Form der Nachbehandlung notwendig ist, richtet sich nach dem verwendeten Implantat. In der Regel kann direkt am Folgetag der Operation das operierte Bein wieder voll belastet werden. Hier ist ein frühzeitiger Einsatz von Krankengymnastik notwendig, die auch bereits am Folgetag der Operation beginnt.
Bei normaler Wundheilung schließt sich an den hiesigen stationären Aufenthalt von ca. sieben bis zehn Tagen eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme an.

Verankerung der Prothese
  • Verankerung mit Knochenzement: Bei einer Zementierung wird während der Operation aus zwei Komponenten ein schnellhärtender Kunststoff  hergestellt („Zement“), der im Knochen eine optimale Passform zwischen Prothese und Knochen herstellt und so eine optimale formschlüssige Passform bildet.
  • Verankerung ohne Knochenzement: Wenn Prothesen ohne Knochenzement verankert werden, wachsen Knochenzellen auf die aufgeraute Oberfläche der Prothese, um dann eine biologische Fixierung zu erreichen.
Schaft
  • Probeschaft: Bei jedem Patienten ist individuell zu entscheiden, welche Art der Prothese und der Verankerung zu wählen ist. Durch einen Probeschaft und einen aufgesetzten Probeprothesenkopf wird zunächst überprüft, ob eine normale regel-rechte Funktion gewährleistet ist. Dabei wird auch auf eine exakte Beinlänge geachtet. Wesentlich ist jedoch, dass der Kunstkopf nicht aus der Pfanne herausspringt. Um die Weichteilspannung, die zum größten Teil durch die Muskulatur gewährleistet wird, bestmöglich herstellen zu können, gibt es Prothesenköpfe in verschiedenen Längen.
  • Originalschaft: Nachdem eine Röntgenkontrolle einen normalen Sitz des Probeschaftes gezeigt hat und durch die funktionelle Untersuchung das gewünschte Ergebnis erzielt wurde, kann der Originalschaft mit oder ohne Knochenzement verankert werden.

Das künstliche Kniegelenk – die Verfahren

Für die verschiedenen Grade der Schädigung eines Kniegelenks setzen wir Endoprothesen ein, die teilweise oder komplett die Oberfläche des zerstörten Gelenks ersetzen.


Teilprothese/Schlittenprothese/Unikondylärer Oberflächersatz
  • Sind alle Bänder im Knie funktionstüchtig und besteht ein Defekt nur an einer der beiden Gelenkfortsätze des Oberschenkels (Femurkondyle), kommt eine Schlittenprothese zum Einsatz. Sie besteht aus einem Ersatz für die Femur-kondyle, die Oberschenkelkufe, einem Teil des Schienbeinkopfes (Tibiakopfes), der so genannten Schienbeinplatte und einer Artikulationshilfe, dem Meniskaleinsatz.
  • Bei einer Teilprothese ist das Operationsverfahren weniger invasiv.
Totalendoprothese/Bikondylärer Oberflächenersatz
  • Die Totalendoprothese besteht aus einem Ersatz für die Gelenkfläche des Oberschenkels (Femur), dem sogenannten Femurschild, einem Ersatz für die Gelenkfläche des Schienbeinkopfes (Plateau) und einer Artikulationshilfe (Inlay). Unter Umständen kann auch ein Ersatz der Kniescheibenrückfl äche nötig sein. Weiterhin unterscheidet man bei einem bikondylären Oberfl ächenersatz in ungekoppelte, teilgekoppelte und vollgekoppelte Prothesen.
  • Ungekoppelte Totalendoprothese: Diese Prothese entspricht der Anatomie des gesunden Knies am ehesten. Die einzelnen Komponenten sind nicht miteinander verbunden. In der Regel wird ein sehr großer Bewegungsumfang des Kniegelenks erreicht. Von dieser Prothesenart gibt es unterschiedliche Modelle, die zum Teil sogar unter Erhalt des vorderen Kreuzbandes eingesetzt werden können. Eine gute Funktion der Seitenbänder und - je nach Ausführung - auch des hinteren Kreuzbandes ist Voraussetzung.
  • Teilgekoppelte Totalendoprothese: Bei dieser Prothese sind die einzelnen Komponenten ebenfalls nicht fest miteinander verbunden, jedoch ist meist ein vom Tibiaplateau ausgehender Stiel zwischen die Femurkondylen gerichtet, der eine Abweichung der Gelenklinie in X- oder O-Beinstellung verhindert. Das Bewegungsausmaß umfasst bei einer solchen Prothese die Streckung, die Beugung und eine geringe Rotation in Beugestellung. Teilgekoppelte Totalendoprothesen kommen zum Einsatz, wenn die Seitenbänder teilweise oder - je nach Ausführung - das hintere Kreuzband geschwächt sind.
  • Vollgekoppelte Totalendoprothese: Diese Prothese ist in der Regel eine Scharnierprothese und gehört zu der ersten Generation der Knieprothesen. Die Femur- und Tibiakomponente sind hierbei durch eine starre Achse fest miteinander verbunden. Dadurch sind zwar eine Streckung und eine eingeschränkte Beugung möglich, eine Rotation ist jedoch begrenzt. Zum Einsatz kommt diese Prothese bei kompletter Bandschwächung oder in der schwierigen Wechseloperation.

Vor der Operation - der Tag der Voruntersuchung

Bei einer vorstationären Voruntersuchung (ca. fünf Tage vor der Operation) bereiten wir Sie auf den Eingriff vor.

Was wird gemacht?

  • Digitale Röntgenuntersuchungen für eine konkrete Operationsplanung
  • Auswahl des Implantats – mit Hilfe einer computerbasierten Planung
  • Blutentnahme, um eine Infektion oder andere Organstörungen auszuschließen
  • Besprechung des Narkoseverfahrens mit unseren Anästhesisten
  • Nasen-/Mundabstrich zur Identifikation eines multiresistenten Keimes (MRSA

Nach der Operation – wie geht es weiter?

Nachbehandlung

Endoprothetische Operationen werden unter stationären Bedingungen durchgeführt. Eine frühzeitige Mobilisierung zur Gewährleistung eines optimalen Operationserfolges erfolgt bereits am ersten Tag nach der Operation. Mithilfe der Krankengymnastik wird die weitere Mobilisation unter Verwendung von Gehhilfen durchgeführt und unabhängig von den erwähnten Implantationstechniken eine schnelle Vollbelastung des operierten Beins erlaubt. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Beweglichkeit.

Für den überwiegenden Teil der Patienten schließt sich nach einem 7- bis 12-tägigen Klinikaufenthalt ein 3- bis 4-wöchiger Rehabilitationsaufenthalt mit zusätzlichen Kräftigungsübungen an.

Gelenkersatz und Sport

  • „Sanfte“ Sportarten (Fahrradfahren, Nordic Walking, Schwimmen, Golf oder Kegeln beispielweise) sind durchaus empfohlen und sinnvoll
  • Bedingt möglich und nur bedingt ratsam sind dagegen Sportarten wie Tennis und Skilaufen
  • Kontaktsportarten (Fußball, Handball etc.) sollten unbedingt vermieden werden

Ihre Motivation und das anschließende Training über eine lange Zeit sind wichtig, damit Sie sich wieder schmerzfrei bewegen können und Ihre Lebensqualität wiedergewinnen.

Nachbehandlungsplan: Je nach Versorgung geben wir vor, mit welchem Belastungsaufbau begonnen werden kann. Da zunächst erst wieder ein „Gelenkgefühl“ erlernt werden muss, sind Sie zu Beginn auf
Gehhilfen angewiesen.

Physiotherapie: Während des stationären Aufenthaltes ist die Wiederherstellung einer guten Gelenkbeweglichkeit sehr wichtig. In enger Zusammenarbeit mit unserer Physiotherapie können Sie zum Entlassungszeitpunkt oft bereits Treppen bewältigen. In der Anschlussheilbehandlung (AHB/Reha) wird die Muskulatur dann weiter trainiert.

Übungen zuhause: Im Anschluss an die Operation erhalten Sie von Ihrem Operateur entsprechende Tipps für zu Hause und gelenkschonende Übungen. Eine Auswahl finden Sie auch hier.

Training: Bis zum vollständigen Muskulaturaufbau kann von sechs Monaten bis zu einem Jahr intensives (Eigen-)Training erforderlich sein. In der Regel sind danach wieder sportliche Aktivitäten möglich. Hierzu gehören etwa Fahrradfahren und Nordic Walking. Sprung-, Stopp- und Kontaktsportarten sollten, wie beschrieben, vermieden werden.