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Ganzheitlich gegen den Schmerz

|Fachklinik 360°

Fragen und Antworten zum Thema Chronifizierung und Therapie

Ratingen. So schlimm er sein kann – so will er doch nur helfen: der Schmerz. Er ist ein Warnsignal. Er signalisiert, dass mit Körper oder Geist etwas nicht stimmt. Ein Signal, das für unser Überleben wichtig ist. Wenn Schmerzen aber chronisch werden, können sie massiv belasten.
Der chronische Schmerz beeinflusst die Lebensqualität. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft berichten rund 23 Millionen Deutsche über chronische Schmerzen (28 Prozent). Bei sechs Millionen sind die chronischen Schmerzen so schlimm, dass sie Alltag und Berufsleben beeinträchtigen. Darauf will die deutsche Schmerzgesellschaft mit dem bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz am 4. Juni aufmerksam machen. Dies ist auch ein Anliegen des Schmerzzentrums der Fachklinik 360° in Ratingen. Klaus-Peter Renckhoff, Chefarzt des Ratinger Schmerzzentrums, und die Leiterin des Departments für spezielle Schmerztherapie, Dr. med. Cornelia von Laue-Jandt, beantworten wichtige Fragen rund um Chronifizierung von Schmerzen und die Möglichkeiten der Therapie.

Warum haben wir überhaupt Schmerzen?
 Schmerzen sind ein lebenswichtiges Warnsignal unseres Körpers, das uns vor möglichen  Gefahren schützen soll. Wie beispielsweise bei einem Kind, das auf eine heiße Herdplatte fasst. Die Schmerzen sollen uns darüber informieren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Entscheidend ist darum die Frage, wie und warum aus dem akuten Schmerz eine krankhafte Chronifizierung wird und wann der Patient zu einem speziell weitergebildeten Schmerzmediziner gehen sollte. Wenn der Schmerz den Alltag komplett bestimmt und über sechs Monate andauert, spricht man von einer Schmerzchronifizierung.

Was ist chronischer Schmerz? 
 Als chronisch werden die Schmerzen immer dann bezeichnet, wenn sie wiederkehrend oder anhaltend über einen Zeitraum von mindestens drei bis  sechs Monaten auftreten. Sie werden damit zu einem bestimmenden Teil des Lebens. Etwa jeder Zehnte leidet unter chronischen Schmerzen. Kopf- und Rückenschmerzen sind am meisten verbreitet. Die Folgen sind weitreichend: Chronische Schmerzen führen zu einer deutlichen Beeinträchtigung in allen  Lebensbereichen der Patienten. Neben den körperlichen Faktoren spielen bei chronischen Schmerzen immer auch seelische und soziale Faktoren eine Rolle. Alle diese Faktoren wirken auf die Empfindung von Schmerzen und werden wiederum von dieser Schmerzempfindung beeinflusst. Auch die Art und Weise mit der das Umfeld (Ehepartner, Arbeitskollegen) auf das Schmerzverhalten reagiert, kann das Schmerzerleben - positiv wie negativ - beeinflussen. Wenn seelische und soziale Anteile frühzeitig bei der Therapie berücksichtigt werden, können oft unnötige Operationen oder unwirksame Medikamentengaben vermieden werden

Was passiert bei einer Schmerztherapie?
 Bei einer Chronifizierung kann der Schmerz zum eigenständigen Krankheitsbild werden. Körper und Kopf lernen den Schmerz, sie verinnerlichen ihn. Dadurch   verfestigt sich der Schmerz und es entsteht ein Schmerzgedächtnis. Diesen Kreislauf wollen wir mit Hilfe der multimodalen Schmerztherapie durchbrechen. Dabei arbeiten bei uns unterschiedliche Fachbereiche mit ihren Therapieansätzen Hand in Hand und gleichzeitig an der Genesung. Wir können Medikamente neu einstellen. Unsere interventionelle Therapie erfolgt unter Bildsteuerung mit der Computertomographie (CT). Außerdem gehören zur Behandlung die Physiotherapie, die Entspannungstherapie und die psychologische Schmerztherapie.

Was ist die multimodale Schmerztherapie?
 Bei der stationären Schmerztherapie in der Ratinger Fachklinik 360° behandeln wir die chronischen Schmerzen, bei denen vorangegangene  Behandlungen nicht ausreichend Wirkung gezeigt haben. Wir setzen dabei auf ein sehr intensives Konzept, unterschiedliche Fachdisziplinen mit ihren verschiedenen Ansätzen arbeiten gleichzeitig und gemeinsam an der Genesung (multimodaler Ansatz). Durch diese Zusammenarbeit gelingt es in der Regel, schneller und nachhaltiger Erfolge zu erreichen, als mit einer Behandlung allein durch eine einzelne Fachdisziplin.

Wie sind die Aussichten auf ein Leben ohne Schmerz?
 Der Schmerz hat sich meist über Monate aufgebaut, daher braucht auch eine Schmerztherapie Zeit und der Patient Geduld. Ziel ist es, die Patienten zu  aktivieren und ihnen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Und natürlich auch die Schmerzen zu lindern. Wir geben den Patienten Hilfsmittel und Strategien zur Schmerzbewältigung an die Hand. Wir können aber nur Türöffner sein: Die Hauptarbeit muss der Patient selbst leisten.

INFO

  • Das Schmerzzentrum der Fachklinik 360° ist spezialisiert auf die interdisziplinäre Behandlung von Schmerzen. Ziel des Behandlungsansatzes ist es, für jeden Schmerzerkrankten individuell aktive Bewältigungswege zu entwickeln, um mehr Aktivität und mehr Lebensqualität trotz Schmerzen zu erreichen.
  • Schmerzzentrum der Fachklinik 360° in Ratingen: Behandelt werden hier u.a. Schmerzen des Bewegungsapparates, Nervenschmerz, Kopf- und Gesichtsschmerzen, Phantomschmerz, medikamenteninduzierte Schmerzen und das Schmerzsyndrom Morbus Sudeck.
  • Kontakt: 02102/206-5118
  • Hotline der Schmerzgesellschaft: Am 4. Juni können Patienten von 9 bis 18 Uhr die kostenfreie Telefon-Hotline (0800 18 18 120) der Deutschen Schmerzgesellschaft nutzen und sich von Schmerz-Experten beraten lassen

Interessante Daten zum Rückenschmerz

  • In Deutschland haben 27 – 40 % der Menschen Rückenschmerzen
  • 70 % mindestens einmal im Jahr • 80 % mindestens einmal im Leben
  • 90 % der Rückenschmerzen bessern sich innerhalb kurzer Zeit
  • 10 % der Rückenschmerzen chronifizieren
  • Häufigste Ursache für Arztbesuche in Deutschland bei Männern/ zweithäufigste bei Frauen
  • Häufigste Ursache von 21,7 % aller Arbeitsunfähigkeitstage (18,3d)
  • 21 % aller Berentungen
  • Volkswirtschaftlicher Schaden in 2010: 17,5 Milliarden Euro
  • Volkswirtschaftlicher Schaden in 2016: 48,9 Milliarden Euro  (1,4 % des Deutschen Bruttoinlandproduktes)


 Quelle: DAK Gesundheitsreport 2016